Sofortimplantation nach Implantatbruch im Unterkiefer

Der Bruch eines Implantats ist das absolute Worst-Case-Szenario – für einen Patienten wie auch für einen Implantologen, wie Experte Helmut Carrié im Gespräch erläutert.

Kurzfassung

In den meisten Fällen gelingt eine Implantation zur vollsten Zufriedenheit des Patienten. Für die Fälle, in denen das nicht gewährleistet werden kann, erklärt Herr Carrié, seit 1998 Spezialist für Implantologie mit eigener Praxis in Hannover, im Interview mit Wengenroth & Partner die Behandlungsmöglichkeiten.

Welche Gefahren bestehen nach erfolgter Implantation?

Die Hauptgefahr nach erfolgter Implantation besteht darin, dass womöglich gar keine Osseointegration stattfindet, das Implantat also nicht wie gewünscht im Knochen einheilt. Eine Fraktur ist zwar eine sehr seltene, aber ebenfalls mögliche und dann auch sehr unangenehme Komplikation. Sie entsteht hauptsächlich durch z.B. eine prothetische Überlastung oder ein fehlerhaft gefertigtes respektive angebrachtes Implantat.

Gibt es unterschiedliche Arten des Implantatbruchs bzw. wenn ja, welche?

Am häufigsten ist eine Längsfraktur. Es gibt aber auch Frakturen, die nur an der Implantatschulter stattfinden und die auch leichter zu behandeln sind.

Wie lassen sich beschädigte Implantate entfernen?

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Zuerst einmal muss das Implantat wirklich komplett entfernt und durch eine neue Prothetik oder Krone ersetzt werden. Das ist für den Patienten unter Umständen unangenehm – schließlich muss ich einen relativ großen umliegenden Knochenbereich erst einmal entfernen. Dieser Vorgang geschieht mit Unterstützung einer Knochenfräse oder eines sogenannten Trepanbohrers.

Eine weitere Möglichkeit ist ein spezielles Werkzeug, das ich direkt in das Implantat einsetze und versuche, das Implantat unter Aufwand großer Kräfte zu entfernen. In manchen Fällen ist dies möglich – in vielen anderen leider auch nicht: Diese Methode ist nicht möglich, wenn bereits eine ausgedehnte Längsfraktur vorliegt. Gelingt sie jedoch, kann direkt nach Herausnahme des alten wieder ein neues Implantat eingesetzt werden – für den Patienten die deutlich angenehmere Lösung.

Welche Probleme ergeben sich aus dem Entfernen eines Implantats?

Das Hauptproblem liegt darin, dass ich nicht nur das Implantat entfernen muss, sondern auch um das Implantat herum Knochen abtragen muss. Dadurch kann in bestimmten Bereichen leider bereits ein umfangreicher Knochendefekt entstehen. Im Seitenzahnbereich ist diese Komplikation nicht dramatisch, bei den Frontzähnen hingegen ist es hilfreich, wenn man auf andere Methoden zurückgreifen kann.

Wie können diese Probleme umgangen werden?

Wenn man die Chance hat, das Implantat mit dem oben erwähnten speziellen Werkzeug zu entfernen und somit nur die Osseointegration des Implantats rückgängig zu machen, so sollte man diese Chance nach Möglichkeit wahrnehmen.

In welcher prozentualen Häufigkeit sind Implantatbrüche in etwa festzustellen?

Der Bruch von Implantaten ist erfreulicherweise ein sehr seltener Fall und geschieht nur in weit unter einem Prozent der Fälle.

Seit wann sind Sie Zahnarzt?

Die Approbation habe ich im Herbst 1995 bekommen.

Seit wann haben Sie eine eigene Zahnarztpraxis?

1998 habe ich mich in einer Praxis in Hannover niedergelassen.

Wie sah Ihre berufliche Laufbahn aus?

Nach dem Studium war ich, wie das der Berufsweg so vorsieht, erst einmal als Assistenzzahnarzt tätig. Bis zu meiner Niederlassung habe ich außerdem an von 2003 bis 2005 an einer mehrjährigen Fortbildungen zur Implantologie teilgenommen und war dann in unterschiedlichen Hochschulabteilungen als Fachmann für Implantologie tätig. Das gleiche habe ich in den beiden Folgejahren noch im Bereich der Parodontologie wiederholt.

Auf welche Gebiete sind Sie spezialisiert?

Sowohl die Implantologie als auch die Parodontologie sind Spezialgebiete meiner Praxis in Hannover – schließlich sind sie auch in gewisser Weise miteinander „verzahnt“.

Warum sind Sie auf Implantologie spezialisiert?

Die Implantologie hat in der modernen Zahnheilkunde einen sehr hohen Stellenwert – erstmalig wird damit eine prothetische Versorgung für fehlende Zähne möglich, die ohne den Verschleiß von Nachbarzähnen auskommt.

Was reizt Sie an Ihrem Beruf?

Man darf nicht unterschätzen, welche Auswirkungen Zahnverlust für einen Menschen mit sich zieht – einem Patienten, dem schon über lange Jahre Zähne fehlten, gibt die Implantologie die Möglichkeit, wieder ganz normal am sozialen Leben teilzuhaben. Das zu erreichen, finde ich sehr bereichernd.

Sofortimplantation nach Implantatbruch im Unterkiefer

Close Comments