Piezoelektrisches Bone Splitting

Das Kombinat aus einem deutschen und einem englischen endodontologischen Fachwort: „Piezoelektrisches Bone Splitting“ lässt nicht vermuten, dass man es als Laie so einfach verstehen könnte. Dr. Michael Wehr, seit 1988 mit eigener Praxis in Hannover-Buchholz tätig, beweist im Interview das Gegenteil.

Kurzfassung

Die herkömmliche Implantation ist aufwendig und gerade bei Patienten mit besonders schmalem Kieferkamm oft impraktikabel. Hier kommt die Methode des Bone Splitting zum Tragen, bei der ein bereits vorhandener, dünner Knochen gespalten wird, um in der entstehenden Lücke dann das Implantat zu verankern. Die genauen Details und die Vorteile der Behandlungsmethode erläutert Herr Dr. Wehr, der seit Langem in Hannover als Spezialist für Implantologie arbeitet.

Was versteht man unter dem Begriff Bone Splitting?

Bone Splitting ist eine minimalinvasive Methode, um aus einem sehr dünnen Knochen zwei noch dünnere Hälften zu spalten und in die Mitte dieses Spalts das Implantat einzusetzen. Der große Vorteil an dieser Methode ist, dass der notwendige Aufbau des vor Ort vorhandenen Knochens wesentlich geringer ist, als wenn erst ein Loch gebohrt und das Implantat dort verankert werden muss. Besonders bei sehr schmalen Kieferkämmen ist diese Methode jedenfalls sehr empfehlens- und erstrebenswert.

Verschmälert sich der Kieferkamm mit dem Alter?

Leider ja. Unser Körper ist sehr ökonomisch: Gerade in Bereichen, wo keine Zähne mehr vorhanden sind, wird schnell „rationalisiert“ – was wir nicht nutzen, baut unser Körper ab. So verhält es sich auch beim Kieferkammknochen – er wird resorbiert, wenn es an Zähnen mangelt, also er wird dünner und schmaler. Gerade in letzterem Fall ist dann das Bone Splitting als Therapie besonders gut geeignet.

Worum handelt es sich bei Piezoelektrik?

Hierbei handelt es sich um eine Spezialmethode, um den Knochen zu splitten. Normalerweise nutzt man eine sogenannte Mikrosäge, die ebenfalls sehr gut funktioniert. Die Piezomethode indes funktioniert mit Ultraschall und hat das gleiche Resultat (einen gesplitteten Knochen). Der Vorteil ist hierbei jedoch, dass man damit sehr sanft umgehen kann; hier ist der Begriff „minimalinvasiv“ wirklich Programm. Die Methode lässt sich zwar nicht immer anwenden, aber sie ist ein Segment, um eine optimale Implantation zu gewährleisten.

Welche Probleme bergen herkömmliche Implantationsmethoden?

Wenn ich auf Bone Splitting verzichte, erzeuge ich erst einmal einen recht umfangreichen Defekt – ich muss schließlich für mein Implantat erst einmal ein Loch bohren. An dieser Stelle muss dann Knochen aufgebaut werden, was für gewöhnlich mit Knochenaufbaumaterialien geschieht. All das ist zwar auch möglich und legitim, jedoch muss beim Bone Splitting nicht erst eine Matrix geschaffen werden, sondern es wird bereits vorhandenes Knochenmaterial utilisiert und für das Implantieren nur geringfügig modifiziert.

Unterscheidet sich die Behandlung in Bezug auf Kosten?

Erst einmal: Egal mit welcher Methode das Bone Splitting durchgeführt wird, die Kosten bleiben gleich. In Komparation mit herkömmlichen Methoden der Implantologie ist die Behandlung sogar oftmals günstiger, da das Material für die Augmentation des Knochens extern erworben werden muss. Das Bone Splitting ist somit effektiver und günstiger.

Wie verläuft die Behandlung mit dem piezoelektrischen Bone Splitting im Detail?

Bei dieser Methode wird der Knochen eines schmalen Kiefers durch ein Ultraschallgerät gesplittet. Das dauert bei der Piezomethode ein wenig länger, denn die Behandlung geht extrem sanft und schrittweise vonstatten. Ist dieser Bereich erst einmal gesplittet, dehnen spezielle Hebel die beiden Hälften auf, sodass ein Freiraum zwischen den beiden Knochenhälften entsteht – hier wird dann das Implantat eingebracht.

Es gibt darüber hinaus keine weiteren speziellen, auf die Operationsmethode bezogenen Nachkontrollen: Wenn die Behandlung mit dem piezoelektrischen Bone Splitting erst einmal abgeschlossen ist, heilen die Implantate wie gewohnt ein und nach einem halben Jahr werden die Implantate normal versorgt.

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