Mini-Implantate als strategische Pfeiler zur verbesserten Retention von Teilprothesen

Als eine empfehlenswerte Bereicherung des Behandlungsspektrums sieht Dr. Detlev Baumgarten, Spezialist für Implantologie aus Hamburg, die neu entwickelten Mini-Implantate mit reduziertem Durchmesser.

Kurzfassung
Mini-Implantate fungieren als die deutlich günstigere Alternative zu regulär dicken Implantatsystemen. Im Gespräch mit Wengenroth & Partner erläutert Herr Dr. Baumgarten, Zahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Hamburg, welche Voraussetzungen für diese Behandlungsmethode gegeben sein müssen und welche Vorteile sie mit sich bringt, wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden.

Was versteht man unter dem Begriff Retention?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich so viel wie „das Rückhalten“. Im Zahnmedizinischen ist es gleichzusetzen mit dem Begriff des Halts oder der Verankerung – zum Beispiel die einer Prothese im Mund.

Worum handelt es sich bei den o.g. „Mini-Implantaten“?

Mini-Implantate sind im Gegensatz zu den normalerweise verwendeten Implantaten im Durchmesser reduziert und einteilig. Bei den meisten Implantatsystemen handelt es sich um mehrteilige Versionen – hier wird das Aufbauteil separat befestigt.

Wann werden Mini-Implantate zur Behandlung eingesetzt?

Diese Implantate haben sich bei besonders schlechtem Prothesenhalt bewährt, das heißt bei Patienten, die einen herausnehmbaren Zahnersatz tragen und mit dem Halt dieses Zahnersatzes unzufrieden sind. In solchen Fällen können Mini-Implantate einen deutlich besseren Halt, respektive eine bessere Retention gewährleisten. Die Kau- und damit auch die Lebensqualität des Patienten wird dadurch erheblich gesteigert. Auch können Mini-Implantate zum Einsatz kommen, wenn reguläre Implantate mangels Knochensubstanz nicht indiziert sind.

Mini-Implantate können außerdem bei kompletter Zahnlosigkeit eingesetzt werden: Gerade im Unterkiefer bieten sie den Patienten dank ihrer speziellen Eigenschaften einen besseren Halt.

Welche Vor- und Nachteile zu anderen Behandlungsmethoden gibt es?

Der Hauptvorteil ist , dass Mini-Implantate auch bei reduziertem Knochenangebot hervorragend genutzt werden können: es ist kein Knochenaufbau notwendig, der auch immer zusätzlichen Aufwand und erhöhtes Risiko bedeutet. Es gibt somit auch keinen hohen chirurgischen oder operativen Aufwand – die Platzierung geht sehr gewebeschonend vonstatten, da nur ein sehr kleiner Schnitt vorgenommen werden muss oder die Implantation sogar transgingival durchgeführt werden kann. Damit ist der Heilungsprozess auch stark verkürzt: Ein besonderer Vorteil von Mini-Implantaten gerade im Bereich des Unterkiefers sind die sofortige Belastbarkeit und der sofortige Halt einer bereits vorhandenen Prothese.

Nicht zuletzt ist die Behandlung mit Mini-Implantaten im Vergleich zu der regulären Variante auch deutlich kosteneffizienter.

Die beiden Nachteile der Mini-Implantate: die Implantation dieser speziellen Systeme funktioniert nicht in extrem schmalem Kiefer. Des weiteren ist die Methode vorwiegend für herausnehmbaren Zahnersatz konzipiert – im Ausnahmefall können jedoch auch fehlende Einzelzähne in sehr schmalen Lückenverhältnissen ersetzt werden .

Welche Voraussetzungen müssen für die Behandlung gegeben sein?

Für die Implantation von Mini-Implantaten ist ein Mindestmaß an Knochenbreite und selbstverständlich auch Knochenhöhe vonnöten. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, so muss ein Knochenaufbau zu Erlangung eines ausreichenden Knochenlagers durchgeführt werden.

Wo liegt der Kostenpunkt für eine Behandlung mit Mini-Implantaten?

Natürlich gibt es individuell verschiedene Voraussetzungen – genauso wie man schlecht sagen kann: „So viel kostet ein Auto.“ Generell kann man aber sagen, dass solche Implantationen deutlich günstiger sind als reguläre – sie liegen etwa 50 bis 70 Prozent darunter.

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