Computerassistierte Implantologie und Prothetik im Alter

Die computerassistierte Implantologie, kurz CAI, ist ein hochtechnisiertes Verfahren, das die Implantatsetzung erleichtern soll. Thilo Grahneis, Inhaber zweier Zahnarztpraxen in Leipzig, zweifelt im Interview an der Sinnhaftigtigkeit der Methode.

Kurzfassung

Die CAI soll Risiken minimieren, den Behandlungsaufwand gering halten und generell eine Verbesserung des „Workflows“ mit sich bringen. Der Zahnarzt und Spezialist für Implantologie Thilo Grahneis aus Leipzig meint aus seiner eigenen Erfahrung: Der finanzielle Aufwand für die Umsetzung der Methode steht in keinem Verhältnis zum dadurch generierten Mehrwert.

 

Einleitung

Wengenroth & Partner ging zu Beginn des Experteninterviews davon aus, dass auf einige technische Informationen zu der Behandlungsmethode eine Darstellung der Vorteile dieser speziellen Technik folgen würde. Stattdessen stellt sich heraus, dass der Befragte eigentlich kaum relevante Vorteile sieht und hinter der Vermarktung der Technologie eher eine marktwirtschaftliche Kalkulation steckt. Es lässt sich also die Frage stellen: Inwieweit sind technische Neuerungen in dem Gebiet der Implantologie noch notwendig? Gibt es vielleicht Bereiche, in denen das Mantra des Wachstums und des Fortschritts nicht notwendigerweise noch Bestand hat? Die Antworten des Zahnarztes geben Aufschluss.

 

Was ist unter computerassistierter Implantologie (CAI) zu verstehen?

Zuerst einmal muss ich konstatieren, dass ich keinerlei praktische Erfahrungen mit dieser Behandlungsmethode vorweisen kann. Die Theorie und die Grundlagen sind mir allerdings hinlänglich bekannt und aufgrund der theoretischen Grundlagen ist es für mich eigentlich nicht empfehlenswert oder in irgendeiner Form hilfreich, mich mit der CAI zu befassen. Ich empfinde die CAI als übertrieben kostspielig, aufwendig und daher als keineswegs lohnenswert. Wer in seinem Leben bereits mehrere Implantate gesetzt und sich über den Zeitraum einiger Jahre damit auseinandergesetzt hat, kann dies auch zu 90-95% ohne Computerassistenz realisieren – im normalen zahnmedizinischen Bereich allemal. Sicherlich ist es von Vorteil, im Voraus eruieren zu können, wie viel Knochen und Gewebe noch im Kiefer des Patienten vorhanden ist. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass man auf den enormen finanziellen Zusatzaufwand, den die CAI verursacht, problemlos verzichten kann.

 

Welche Zielgruppe spricht das Verfahren an?

Im Bereich der Patienten gibt es keine bestimmte Zielgruppe, da sich für die Kunden letzten Endes kaum etwas verändert. In der Praxis ist es auch für Zahnärzte, die schon eine Weile im Geschäft sind, keine lohnenswerte Investition. Ein Kollege von mir hat in seinem Leben schon vierstellige Mengen von Implantaten eingesetzt und arbeitet seit 40 Jahren ohne Computerassistenz – und ohne den Wunsch, etwas daran zu verändern. Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, ist die Anwendung in der Ausbildung oder für noch junge Zahnärze, die noch nicht allzu lange im Geschäft sind.

 

Handelt es sich also womöglich nur um eine Werbemaßnahme der Industrie?

Das kann ich mir gut vorstellen: ähnlich wie bei einem Mundscanner, von dem man mittlerweile auch sagen kann, dass man auf die damit generierten Abdrücke durchaus problemlos verzichten kann – ein Gerät, das in der Anschaffung auch um die 100.000 Euro kostet. Auch hier ist denkbar, dass es sich um eine marktwirtschaftliche Maßnahme der Industrie handelt, die dem eigentlich gesättigten Markt noch eine scheinbar notwendige Innovation verkaufen möchte.

 

 

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